Was später kam…

Nachdem sie einige Zeit bei mir in Betrieb war, standen wir schon fast am Scheideweg, Fuji und ich. Es gab einige Probleme, durch die diese Kamera zumindest für meine Zwecke nahezu unbrauchbar gewesen ist. Das meint an dieser Stelle nicht einmal den nach meinem Empfinden etwas kruden Autofokus, sondern einige andere Dinge wie die träge Sucheranzeige, sobald man den LCD- Monitor in den Sucher eingeschwenkt hat. Beim manuellen Scharfstellen mit einem Fremdobjektiv war das wirklich ein Problem und kostete viel Zeit und Nerven. Auf der anderen Seite hat man immer noch die Leica- Optiken “zu liegen”. Wenn man sowas schon hat, will man das auch in irgendeiner Form einsetzten. Das war der ursprüngliche Grund für den Kauf genau dieser Kamera. Eine Sony kam nicht in Frage, weil zusätzlich ein hochwertiges Normalobjektiv mit hoher Lichtstärke wollte. Und eine Lichtstärke von 1:1,4 ist da nicht zu verachten. Leicas Summicrone reichen nur bis Blende 2,0 und die Elmarite bis 2,8. Die Summiluxe kamen aus Kostengründen nicht in Frage. Per ISO- Einstellung will man ja auch nicht alles lösen, obwohl das mit der X-Pro 1 durchaus geht. Der Sensor kann einiges. Der Cropfaktor von 1,5 erlaubt mir immerhin, ein 135er Elmarit als 200er Tele einzusetzen. Mit der Leica- Qualität und dem potenziellen Auflösungsvermögen dieser Optiken ist so etwas schon ein echter Kracher. Nur trägt das nicht so auf wie bei einer Spiegelreflex mit einem vergleichbaren Objektiv. Wirklich nagelneue Dinge brauchen halt ihre Zeit und man muss sich nicht nur bei Fuji in Geduld üben. Andere, z.B. Microsoft haben etwa 15 Jahre an Windows herumentwickelt, bis das Ganze vernünftig und stabil lief: Bei NT war das etwa ab Service Pack vier der Fall, von den DOS- basierten Home- Systeme (95/98/Millenium) reden wir an dieser Stelle besser nicht. Man war quasi auf Linux angewiesen, wenn man etwas gut funktionierendes auf dem Rechner haben wollte, das nicht alle paar Stunden abstürtzte; zumindest ich hatte damals immer wieder mal das Problem.

Aber wie es denn kommt: Einige Updates in der Firmware(wir sind mittlerweile bei Version 2.0) haben in der Zwischenzeit stattgefunden. Das gilt an dieser Stelle sowohl für die Kamera als auch für das vorhandene 35er Objektiv.

Bisher hatte die Kamera folgende Probleme:

    • Ein Autofokus, der zwar nicht langsam ist, aber dennoch seine Probleme hat, immer und zügig auf den vorgewählten Punkt scharf zu stellen. Das geht jetzt etwa so schnell wie bei meiner Canon mit 24-70er Objektiv. Problem gelöst.
    • Stromverbrauch: Nicht abzustellen; das ist typisch für Kameras dieser Klasse. Zwei Zusatzakkus und der Verzicht auf die Nutzung zu vieler Komfortfunktionen sind der bereits beschriebene Workaround. Die meinigen sind China- Importe, die ich aus Haftungsgründen allerdings bei einem Händler in Deutschland erstanden habe und die bisher funktionieren.
    • Das Objektiv rödelt immer noch hin und her, wenn der AF auf “kontinuierlich” oder “c” steht: nicht abgestellt, aber weitaus ruhiger als bei der allerersten Firmware. Es sollte doch machbar sein, das auf die Zeit zu beschränken, in der der Finger auf dem Auslöser ist. Workaround: Nur auf “c” stellen, wenn das wirklich nötig ist.
    • Drive-By-wire- Trägheit beim Fokussieren: weitgehend abgestellt, aber aus technischen Gründen nicht zu vermeiden. Die Fokussierung geht allerdings etwas flotter als zuvor.
    • Monitorträgheit im Sucher beim Fokussieren: Das machte die Kamera in diesem Modus vor allem mit Fremdobjektiven bisher fast unbrauchbar. Erheblich verbessert, aber noch schneller wäre natürlich besser.
    • Die Übertragung der Aufnahmedaten lief nach Fujis Aussagen etwas träge: Auch das wurde geändert. Zudem kann man jetzt schon bei der Datenübertragung die erste Bildkontrolle durchführen. Das funktioniert sogar. Obwohl: Wer weiß, was er tut, braucht das nicht. Dieses Update brauche ich persönlich zwar nicht, aber eine schnellere Datenaufzeichnung ist nie ein Fehler.
    • Der Sucher ist zu klein und besitzt keinen Dioptrienausgleich. Nicht zu ändern bei einem laufenden Modell. Vielleicht kommt das bei einem Nachfolger der X-Pro1. Brillenträger können sich mit Korrekturlinsen mit 19mm- Gewinde behelfen. Die hat sogar mancher noch in der Schublade. Voigtländer- Teile oder Linsen von einer Nikon FM/FE2 passen ebenfalls.

Das soweit zu den bekannten Problemen, von denen einige wirklich nervig gewesen sind und die mich daran hinderten, die Kamera bisher ausgiebiger zu nutzen.

Nur ist sie jetzt nach dem 2.0- Update ihr Geld wirklich wert, soviel sagen meine Testläufe.
Die Fujianer haben sich als klugen Leute erwiesen: Die Bildqualität ist immer noch erstklassig.

Die Objektive

Was ich mit allerdings noch vor dem ersten Zoom(einem 2,8-4/18-55mm) gewünscht hätte, wäre ein 35mm- Äquivalent zu dieser Kamera, gerne auch als 1,4er. Diese 35er eignen sich bekanntlich sehr gut als Schnappschuss- Linsen sowohl auf der Strasse als auch auf Parties, die man ab und an auch mit der Kamera besucht. Vor allen Dingen bei runden Geburtstagen habe ich immer etwas Metall und Glas in der Tasche. Und der erste Leica- Einsatz vor zwei Jahren… Ich kann nur sagen, ein Zoom ist Murks dagegen, die Bilder aus einer Messsucherkamera sehen um Klassen besser aus, die Komposition der Bilder ist fast ausstellungsreif. Ich habe selbst nicht geglaubt, was ich da gesehen habe. Nur: Marketing ist Marketing. Ich werde das 18er nicht kaufen, weil ich ein 35er und das ganz Kurze(das 14er) will und auf Zoomobjektive ganz zu verzichten gedenke. Man braucht sie wirklich nicht. Schnelle Schuhe und ein sichereres Auge führen meistens zu besseren Bildern.

Zudem scheint es ja so zu sein, dass das 18er zu gewissen Bildfehlern tendiert, dank derer keine wirklichen Mammutvergrösserungen in Top- Qualität zu bekommen sind. Nobody is perfect. Papier, Internet und Lindi haben eine Gemeinsamkeit: Wir haben alle drei Geduld. Das passende 23er soll nach Fujis Verlautbarungen im nächsten Frühjahr auf den Markt kommen, ziemlich genau zwei Monate vor meinem geplanten Provence- Urlaub im nächsten Frühsommer.

Allerdings bietet das 35er keinen Grund zur Klage. Zumindest meines ist perfekt. Und dem 60er Makro wird Ähnliches nachgesagt.

Die Technischen Daten und Hinweise dazu:

    • 16 MP-Sensor
    • Zeit- Blenden- und Programmautomatik. Die Programmautomatik ist shiftbar.
    • ISO einstellbar von 100 bis 6400, im “H-Modus” bis 25600. Zudem Kann der Dynamikbereich auf bis zu 400% eingestellt werden: Das muss man sich so vorstellen, dass bei einer 400Iso- mit 400% Dynamikerweiterungs- Einstellung in sehr dunklen Bereichen wie 800 ISO belichtet wird, um die Schatten anzuheben und diese Zahl in den Lichtern auf rund 200 Iso reduziert wird, wenn die Kamera da ein Problem sieht. Bei Bedarf kann das nützlich sein. Im Normalfall lasse ich die Dynamikerweiterung ausgeschaltet.
    • Sucher sowohl “analog” mit elektronisch einprojizierten Leuchtrahmen in zwei Vergrösserungen als auch in einer mittlerweile funktionstüchtigen elektronischen Variante. Mit Leica- Objektiven und dem Fuji- Adapter ist die Grösse des Leuchtrahmens anpassbar.
    • Auswahlmöglichkeit der Bildansicht vor der Aufnahme: Automatische Umschaltung von Sucher auf Bildschirm per Augensensor oder manuelle Umschaltung per Knopfdruck(ich würde letzteres empfehlen!).
    • Mehrfeld- Autofokus: Die Kamera sucht sich das Feld aus oder der Nutzer tut das: Letzteres finde ich besser. Bei der manuellen Variante gibt es auch zwei Möglichkeiten: 25 Messfelder beim optischen Sucher und 49 bei der elektronischen Variante. Wem’s gefällt, der hat die Wahl.
    • Filmsimulationen, hier natürlich Fuji- Produkte. Das macht allerdings nichts: Andere Kameras können ihren Farbcharakter gar nicht ändern.
    • Verschluss von 1/4000stel bis 1 Sekunde, B und T zusätzlich bei manueller Belichtung oder Blendenautomatik. In Automatik ebenfalls ab 1/4000stel, Langzeitbereich bis 4 sek.
    • Wachsende Objektivauswahl: Das 60er Makro und das 35er sind Super, das 18er verbesserungsbedürftig: Ich warte hier lieber auf das 14er und das 23mm im kommenden Frühjahr.
    • Auf der anderen Seite: Was ich bei andern Herstellern bisher gesehen habe, ist nicht besser, es sei denn, es kommt von Leica oder teilweise Zeiss/Germany. Dann wird’s aber auch teurer.

Als wesentliche Eckdaten sollte das genügen, um einen Überblick zu haben. Ich bin nicht hier, um die Anleitung zu ersetzen…

Bilder nach dem Update:

Natürlich ist es wichtig, eine nun völlig neue Kamera noch einmal auszuprobieren. Deshalb gibt es ein paar Garnierbildchen, die ich bei einer alten Fabrik hier in der Gegend gemacht habe. Leider sind die Gebäude verschlossen. Daher kann man nur Aussenaufnahmen machen, die allerdings als Demonstration reichen sollten. zuerst einmal ein Schuss aus einem Dorf bei Neubrandenburg, bevor es zur der alten Fabrik geht. Der Neubrandenburger ist noch mit der alten Firmware entstanden, alle anderen bereits mit Verion 2,0:


Graffito in einmem Dorf in der Nähe von Neubrandenburg

Es handelt sich um eine alte Kreidefabrik, die im hiesigen Landkreis schon für Schlagzeilen gesorgt hat, weil sie längere Zeit ungesichert dort stand. Geschlossen ist sie mindestens schon seit den 1970er Jahren. Der Zustand ist entsprechend. Allerdings ist das zugleich auch ein netter Ort um neue Kameras auszutesten, ohne dass man von irgend jemand vollgequatscht wird oder sich irgendwelche Sprüche geltungsbedürftiger Leute anhören muss.


Graffito an einer Kreidefabrik

Schön rostig und speckig das, sagt Oscar der Müllfreund. Aber auch so etwas entwickelt irgendwann seine eigene Schönheit, zumindest im Lauf der Zeit. Allerdings flutscht das Ganze mit der “neuen” Fuji endlich richtig. Und deshalb legen wir mal noch einen nach:


Wand

Scharf wie ‘ne gut geschliffene Axt, das Ganze. Und schöne Farben wie ich finde. Irgendwie intensiv das:


Diesmal mit Eisenträger


Tür, vollkommen verrostet


Hier mal etwas Hölzernes

Wer sich die JPEGs mal angesehen hat, dem wird auffallen, dass es sich bei den Aufnahmen in aller Regel um die Bilder handelt, die direkt aus der Kamera kommen. Das heisst, dass die Bilder vollkommen unbearbeitet sind. Das ist auch hier der Fall: Man muss nur minimal nacharbeiten, wenn man sich beim Fokussieren vertan hat oder die Kamera den Punkt nicht ganz erwischt oder gewackelt hat. Wir haben ja keinen Bildstabilisator in der Kamera. Das ist auch besser so. Ich habe das mal bei einem Pentax- Modell gsehen: Man muss zu lange warten, bis sich das stabilisiert hat. Und wenn der Stabi sich verrechnet haben sollte, kann man zumindest die feinen Details vergessen.


Noch so’n Farbkracher

Es zeigt sich hier recht deutlich, dass bei dieser alten Fabrik bereits ein gewisser Reparaturbedarf vorhanden ist. Zudem würde man heute auch seine Stahlträger nicht mehr so einbinden, wie das hier noch passiert ist. Improvisationen waren in der Bauzeit dieser Anlage (ich würde das mal auf die 1930er Jahre taxieren) auf diesem Gebiet der Normalfall. Aber das, was gesehen werden soll, wird hoffentlich auch gesehen.


Der hier kriegt vielleicht ‘nen Platz über meiner Couch!

Entstanden sind alle Fotos mit der X-Pro1. Die JPEG-Dateien im Vollformat sind unbearbeitet, damit man auch eventuelle Einstellfehler sehen kann.
Die ISO- Einstellung ist “fest” auf 200, die Belichtungszeiten liegen meistens und etwa zwischen etwa 1/60stel und 1/125stel Sekunde.
Aufgenommen mit Zeitautomatik(auch hier wieder eine technische Reminiszenz an alte Zeiten, das haben wir ja immer schon so gemacht), meistens bei Blende 8. Filmemulation Provia. Wer’s noch knalliger mag, sollte bei solchen Bildern auf “Velvia- Emulation” umschalten. Aber ich finde, es kracht auch so schon genug.


Der hier vermutlich auch


Schön rostig und krumm das…

Mir geht es bei derartigen Bildern immer um mehrere Dinge: Es erscheint mir manchmal wichtig, solche Plätze zu erhalten. Und sei es nur für Sprayer, die eine Fläche für ihre Künste brauchen. Zudem kann man anhand solcher Fotos auch anderen Leuten etwas zu der Geschichte dieser Gebäude erzählen. Und wenn die Anlage mal abgerissen werden sollte, was ich im Moment nicht glaube, hat man ein Dokument, das diese Geschichten belegen kann. Interessant ist zuweilen auch, einfach den Alterungsprozess dieser Gebäude zu beobachten. Über längere Zeit kann das sehr spannend sein, vor allem wenn man die Kamera immer dabei hat. Es gelten immer einige Regeln, die auch strikt eingehalten werden sollten: keine Spuren zu hinterlassen, keinen Abfall abzuladen und vor allem: Vorsicht bei der Arbeit. Solche Plätze bergen immer gewisse Gefahren.

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