Der erste Eindruck

Heißgemacht…

…hat mich die Mitteilung der Firma Fuji, dass eine der X100 ähnliche Kamera herauskommen soll, bei der sich die Objektive wechseln lassen.

Die Nachricht davon kursierte seit Januar im Netz und seit einigen Tagen war sie lieferbar.

Was tun, sprach Zeus, Nero hat Husten. Also nicht lange überlegt, eine Leica(obwohl ich die gerne hätte) ist für mich unüberwindbar teuer. Trotz der Statuswertes einer solchen Kamera(Ich habe auch noch „richtige“ analoge Kameras, darunter auch eine Leica), ihrer extrem guten Verarbeitung und ihres wirklich klassischen Aussehens, das allein schon einen Grund darstellen würde, eine zu kaufen, habe ich zugeschlagen: Sie ist hier, meine X-Pro 1 mit einem 1,4/35mm- Objektiv als Standardlinse.

Die Beschaffung:

Ich wollte die Kamera schnell hier haben, allein schon, um diesen Bericht verfassen zu können.

Also macht man sich mal mit dem Auto auf den Weg, um das gute Stück abzuholen: Bei mir waren das 320 km bis nach Düsseldorf zu einem Händler, der noch ein Exemplar im Lager hatte und von dem ich die Kamera erwarb: Geld und Kamera nebst Objektiv wechselten also diesmal in Düsseldorf die Besitzer.

Ich habe die Kamera gleich im Laden ausgepackt, weil mein rechter Zeigefinger juckte. Zudem sollte man die Verpackung immer auf den vollständigen Inhalt hin überprüfen. Das tat ich dann auch: Mit Hilfe eines Verkäufers habe ich dann den Tragriemen drangebastelt, den bereits vorgeladenen Akku eingesetzt und eine mitgebrachte SD- Karte ebenfalls in die Kamera eingesetzt.

Frauenfreundliche Kamera…

Hier ergab sich bereits das erste angenehme Detail: Fuji liefert ein Werkzeug als Fingernagelschoner mit, mit dessen Hilfe die Aufhängungsfedern für den Tragriemen geöffnet werden können. Genial, das, meine Damen mit den langen Nägeln! Andere bieten diesen Komfort nicht einmal bei wesentlich teureren Kameras…

Das ist sie, bereits einen Tag alt!

Der erste Eindruck

So konnte ich mir einen ersten Eindruck von meinem Kauf verschaffen. Zuerst einmal: Die Kamera fühlt sich extrem leicht an, besonders im Vergleich zu meiner Canon Eos 5d MarkII nebst 24-70- Optik. Der Fertigungsqualität der Kamera an sich tut das allerdings keinen Abbruch: Was auf dem Metall steht, ist zumindest teilweise eingraviert, hier vor allem auf dem Zeitenknopf. Beim Wahlschalter für die Belichtungskorrektur ist das schon nicht mehr der Fall. Andererseits: Auch Canon macht das nicht besser und andere wie Nikon auch nicht. Soweit erscheint mir das akzeptabel, obwohl man ja immer einige fromme Wünsche hat.
Alle anderen Dinge sind in Ordnung: Die Schalter rasten markant und hörbar, sie klingen allerdings nicht nach einem Radio aus den 1950er Jahren. Gleiches gilt für die Tasten für Steuerung, Menüs etc.: Auch hier herrscht Solidität. Insgesamt handelt es sich hinsichtlich der äußeren Qualität um eine typische japanische Kamera: Sehr gut im oberen Level, aber halt nicht herausragend. Aus meiner Sicht kann man damit gut arbeiten und leben.

Der zweite Eindruck, das Objektiv: Zumindest die äußeren Teile sind aus Metall, die Qualität ist solide. Der Blendenring rastet satt und vor allem in Drittelstufen. Was mir fehlt, ist ein eindeutiger Anschlag für Unendlich und den Makrobereich. Eine Skala für die Entfernug ist ebenfalls nicht vorhanden(wie auch, ohne Anschlag…).

Auch für das 35er gilt: es fühlt sich für seine Größe leicht an. Aber das sollte der Qualität keinen Abbruch tun. Die mitgelieferte Gegenlichtblende ist aus Metall und es kommt ein separater Deckel mit, den man über diese Gegenlichtblende stülpen kann. Dieser Deckel sitzt allerdings etwas locker, man kann ihn daher leicht verlieren. Andererseits: Selbst die Gegenlichtblende meines alten 35er Leitz- Summicrons ist aus Kunststoff und mittlerweile rund 40 Jahre alt. Allerdings herrscht beim Deckel Nachbesserungsbedarf, er tendiert dazu, von der Blende zu rutschen, ihr lieben Fujianer!

Hier mal ein Blick auf das 35er

Der zweite Eindruck und die Größe der Kamera

Hier sind sie, die versprochenen Vergleichsbilder, einmal die X-Pro mit einer Leica M4 und zum anderen mit einer Canon EOS. Voe allem der Vergleich mit der EOS zeigt, dass die Unterschiede gravierend sind. Man hat sich halt an der Leica orientiert, was die Baugröße angeht. Sehr vernünftig, finde ich. Spiegelreflexen, durch die sich der oder die Fotografierte bedrängt fühlt, haben wir genug im Markt. Die Riesengehäuse sind eine zwiespältige Sache. Sie sind halt bei manchem Gerät eine technische Notwendigkeit, wie z.B. bei der Canon. Hier mal etwas mit der Leica.

Hier sieht man schon die Unterschiede bei den Standardoptiken. Das Teil auf der Leica ist ein Voigtländer 1,5/50

…und weil das so toll aussieht, gleich noch eins von der Rückseite beider Kameras:

Hier sieht man schon die Unterschiede in der Bauhöhe.

Es ist nur logisch, dass der Vergleich etwas hinkt, aber die Dimensionen kann so ein Bild allemal aufzeigen. Man sieht deutlich, dass die M4-P kleiner ist, wenn man auf den Leicameter verzichtet, aber wesentlich klobiger erscheint, wenn man den Gutzten nutzt, wie ich es tue. Und: Nicht vergessen, die Leica ist über 30 Jahre alt und für Puristen gemacht. Wer allerdings damit umgehen kann, der kann auch richtig gute Fotos damit erschaffen, wie man in vielen Magazinen sehen konnte und teilweise immer noch kann. Die vielen schönen Knöpfe an der Fuji sind hier der modernen Digitaltechnik geschuldet.

Hier erscheint die Leica wesentlich kompakter. In der Realität fühlt sie sich auch so an.

Hier fällt bereits ein Unterschied zur Leica auf: Das Design der Leica stammt aus den 1950er Jahren, ohne wirklich altbacken zu wirken und das der Fuji erinnert eher an eine der Messsucher- Kameras mit festem Objektiv aus den 1970er Jahren(deren Qualität wirklich gut war, wenn man vom richtigen Hersteller gekauft hat). Hübscher ist die Leica, finde ich, aber das ist Geschmackssache und eine Kostenfrage.

Und: Ohne Gruppenfoto geht es in Lokalzeitungen nicht, wie es so schön heißt. Ich habe auch eins…

Auch hier erscheint die Leica wesentlich kompakter. Technik muss halt untergebracht werden.

Zu guter Letzt habe ich hier noch einen Vergleich, der allerdings etwas hinkt. Den mit einer Canon EOS 5D Mk2 mit einem 24-70/2,8er Objektiv. Allerdings sollte man sich im Klaren darüber sein, dass das durchaus eine Standardkonstellation ist. Was die Kompaktheit angeht, ein klares Tor für die Fuji. Aufgenommen mit einer Noname- Billigkamera und entsprechend bescheiden in der Qualität:

Hier sieht man deutlich, warum ich die Fuji erworben habe… Billigkamera aus dem Supermarkt

Ich wollte hier keine dritte hochwerige Kamera beschaffen. Zwei Systeme reichen mir zum Arbeiten. Letztlich haben beide ihre Berechtigung. Die Riesenkiste, weil sie flexibel ist und die kleinere, weil sie schlicht nicht so aufträgt und vor allem unauffälliger ist, besonders, wenn man damit unterwegs ist. Zudem lässt sich die EOS aufgrund ihres Sensors leichter an eine Großbildkamera adaptieren. Selbstgehäkelte Panoramen mit 80-100 Megapixeln Auflösung aus einem erstklassigen Objektiv haben schliesslich auch etwas, oder…?

Energie

Der Akku: Ein besonders wichtiger Aspekt ist bekanntlich die Stromversorgung. Wenn man alle elektronischen Helferlein benutzt, wie z.B. den Monitor auf der Rückseite und den elektronischen Sucher, der auch automatisch schaltbar ist(Kamera am Auge= Fernseher geht aus!), und die Kamera nicht in den Stromsparmodus schaltet und dann auch noch andauernd die frisch gemachten Bilder herumzeigt, reichen die angegebenen 1260 mAH des Akkus tatsächlich nur für pessimistisch geschätze 120- 150 Fotos, wie sich im ersten Probelauf gezeigt hat. Ansonsten, wenn man sparsam ist und nur den optischen Sucher nutzt und sich die wesentlichen Informationen einspiegeln lässt, sollten unter normalen Umständen die in der Anleitung beschriebenen 300 bis 400 Bilder machbar sein. Die Startzeit der Kamera verlängert sich hier allerdings. Es sind dann eine bis zwei Sekunden, bis sie schussbereit ist. Es gilt halt immer noch das Prinzip der Vorahnung und das der Prävisualisierung(wie der gute alte Ansel Adams das nannte). Das Bild muss vorher im Kopf entstanden sein.

Ich werde mir auf jeden Fall einen zweiten Akku beschaffen, sobald die Lieferprobleme gelöst sind, die es bei neuen Produkten bekanntlich immer gibt. Sollte Fuji das nicht lösen können, weil man dort der Nachfrage nicht so schnell Herr wird, gibt es noch die Händler in Honkong oder China: Zumindest mit der Canon und mit ihrem Vorgänger, einer Nikon D80, ging bzw. geht das auch sehr gut und ohne dass mir etwas explodiert ist. Wichtig hierbei ist allerdings die Kapazität der Akkus: Die Nachbauten speichern oft nur 850 mAH. Man braucht dann eine Batterie mehr.

Der erste Testlauf

Nach einigen Einstellarbeiten und etwas Fummelei hatte ich nach kurzer Zeit heraus, wie das gute Stück bedient wird: Einige Dinge sind doch anders als sie es bei einer eher normalen Spiegelreflex sind. Ein sehr interessantes Feature ist der Hybridsucher: Den kann man während des Fotografierens, also wenn die Kamera am Auge ist, umschalten, um z.B. manuell per Monitor scharfzustellen oder die Auswahl der AF- Messfelder etwas detaillierter zu bekommen: Man kann sich auch die AF- Messfelder kompositionsabhängig einspiegeln lassen und der Kamera damit mitteilen, wo sie scharfstellen soll. Macht man das nicht, sucht die Elektronik das gesamte Bildfeld nach der kürzesten Objektentfernung im Bildausschnitt ab: Das bedeutet, dass das Objektiv einmal durch den gesamten Einstellbereich gefahren wird. Das geht zwar recht schnell, aber ich bin dazu übergegeangen, das Messfeld im Regelfall vorzuwählen (nach alter Väter Sitte ist das die Bildmitte) und die Speichertaste zu nutzen. Das erscheint mir im Moment schneller und einfacher, schon weil sie an sehr exponierter Stelle sitzt und dadurch leicht erreichbar ist.

Weiterhin sollte man beim manuellen Scharfstellen beachten, dass die übertragung der Bewegung des Fokussierrings nicht mechanisch erfolgt, sondern diese Arbeit von dem selben Schrittmotor erledigt wird, der auch für die automatische Fokussierung zuständig ist: Das Ganze läuft also schrittweise und zudem mit einer geringen Verzögerung ab.

Zur restlichen Handhabung: Man war bei Fuji wirklich mir Klugheit beschlagen, dass man zumindest den klassischen Blendenrig erhalten hat und der Verschlusszeitenring sich einstellen lässt wie bei einer alten Kamera aus den 1970ern: Ich liebe das, weil es zu meiner Privatergonomie passt: Man muss nicht lange suchen und auf der Rückseite muss kein Daumenrad dafür herhalten.

Die Belichtungsautomatiken lassen sich ganz einfach anwählen: Beides, Blendenring und Zeitenwähler, auf Auto heisst Programmautomatik. Steht einer der Einstellringe nicht auf Automatik(z.B. Zeit manuell eingestellt), dann wird das Gegenstück(hier die Blende) nachgeregelt. Auch diese Funktionalität ist ein alter Bekannter: Die erste Kamera, die so bedient wurde war meines Wissens eine Minolta XD-7(Das Ding ist auch heute noch toll, finde ich!)

Nun langsam zur Praxis: Die Kamera hat eine Taste, die es erlaubt, alle wichigen Aufnahme- Menüfunktionen auf einen Blick sehen zu können und deren Optionen über ein Wahlrad einzustellen: Nach einer Weile, und wenn man sich durch diese Funktionen durchgespielt hat, ist das die schnellste und damit beste Variante, kleinere Dinge in der Kamera zu ändern.

Weitere Aspekte zur Handhabung

Mir ist aufgefallen, dass die Kamera trotz des Nichtvorhandenseins von Ultraschallmotoren sehr leise ist. Im Vergleich zu meiner Canon ist sie nahezu unhörbar. Diskretion ist damit zumindest bei einer normal lauten Umgebung gewährleistet. Das gilt hier sowohl für den Verschluss als auch für das Objektiv. Man wundert sich immer wieder, was so ein fehlender Spiegel ausmacht. Meines Erachtens ist der Verschluss sogar leiser als der meiner M4-P, und die ist schon verdammt leise!

Die Filmsimulation

Mit dieser Kamera ist es möglich, nach Gusto verschiedene Fuji- Filme zu simulieren. Die Standardeinstellung ist “Provia”. Ich hatte es auch mit anderen Einstellungen, wie dem Velvia, probiert, aber der Provia bzw. seine Simulation scheint mir am besten umgesetzt zu sein: Die “Velvia”- Einstellung ist mir in den Farben zu knallig und zudem blaustichig. Interessant sind hier auch die Schwarzweissemulationen, mit denen immerhin nicht nur ein Schwarzweissfilm emuliert wird, sondern auch die Bildwirkung mit Rot- Gelb- oder Grünfilter. Zudem hat man noch einen Sepia- Effekt im Angebot, der einer intensiven Selentonung(in Warmtonpapier mit Warmtonentwickler inklusive anschliessender Schnellfixierung und abschliessender Selentonung verarbeitet, Dunkelkammerleute und Fans von St. Ansel wissen, was ich meine) nahekommt.

Hier erst einmal zwei Beispiele, wie man das nicht machen sollte, wenn das gut aussehen soll. Aber das ist auch Geschmackssache. Man sollte sich nicht über die miese Gestaltung wundern: Ich brauchte schnell im Laufen irgendwas…

Häuserfront an der Kö in Düsseldorf: Das “Filmkorn” ist deutlich zu erkennen. 100%iger Crop, ISO 800. Filmemulation Velvia

Wie man hier sehen kann, gibt es offensichtlich Dinge, die man mit dieser Kamera besser nicht tut. Eines davon ist die Nutzung der Velvia- Emulation:
Das Original dieses Bildes zeigt Bildstörungen, die offensichtlich entweder
“hinzugerechnet” werden oder in anderen Filmemuationen herausgerechnet werden. Ich denke, dass der “blaue” Charakter mit den grünen Fringes des Velvia an dieser Stelle betont werden soll: Um Fringes oder Abberationen aus dem Objektiv handelt es sich eindeutig nicht, was da als Farbsaum in den Lichtern sichtbar ist. Sowas sieht anders aus, wie ich aus Erfahrungen mit einem gebraucht erworbenen Canon- Objektiv weiss, das nach einem Fallschaden dejustiert gewesen ist und dessen Vorbesitzer das Teil lieber verkauft hat, statt es reparieren zu lassen(Das Ding war ein 24-70/2,8 und ein halbes Jahr alt, als ich es erwarb!). Technisch gesehen handelt es sich um eine stäkere Kantenbetonung in der Software der Kamera. In einigen HD-Camcorder- Modellen älteren Baudatums kann man so etwas auch bewundern. Hier wurde einfach zu dick aufgetragen, wegen des Schärfeeindruckes des Velvia. Mir persönlich gefällt’s nicht. Aber, wie gesagt, ich suche hier nach Demonstrationsbildern, nicht nach Ästhetik. Einen wesentlich besseren Eindruck macht die Standard- Einstellung der Kamera: Hier wird ein Provia emuliert, der auch in früheren Zeiten mein Favorit gewesen ist. Vor allem gilt das für die Grossformat- Dias: Wer sowas mal gesehen hat: mmmmmh, lecker…

Die nächsten Fotos stammen aus Hannover. Auch dort hat man eine Fussgängerzone, die ebenfalls recht groß ist und zu Testzwecken ebenfalls genug Motive bietet. Ich wiederhole noch mal: Es handelt sich um Testbilder!

Strassenschild an der Georgstraße in Hannover: Ähnliche Kontraste wie in Düsseldorf, aber keine Fringes. Emulation Provia, 1/300 Sek., F/5,6. Auto-ISO 200, Rauschunterdrückung auf +1, um die massive Schärfe etwas zu reduzieren.

 

Wir stellen fest, dass das schon erheblich besser ist, als das, was die Velvia- Emulation so hergibt. Meiner Ansicht nach ist das schon fast der technische Idealfall. Und weil das Ganze so schön aussieht und zur Verdeutlichung, gleich noch einen hintendran:

Verwaltungsgebäude, ebenfalls Hannover, Georgstraße, 1/450 sek., f/8, gleiche Einstellungen wie im vorigen Bild.

Bei beiden Bildern kann man vor allem sehen, dass die Kontraste schon sehr gut sind und dass die Schärfereduktion durch das stärkere Entrauschen durchaus einen Effekt hat. Am Ende arbeiten alle digitalen Systeme nach diesem Schema: Das kann man sehen, wenn man im Photoshop oder der DxO- Software einmal gemachte Aufnahmen nachschärft, um eventuelle Optikfehler zu kaschieren: Mit zunehmenden Nachschärfen entsteht ein Effekt, der einem Bildrauschen nahekommt, bis das Ganze nach mehreren Wiederholungen nur noch Rauschen ist. Langsam glaube ich, dass die Fujianer da etwas ganz geniales geschaffen haben…

Available Light oder wie es nicht aussehen sollte

Wir müssen hier zu einer anderen Fuktion springen, der Dynamikerweiterung, die man in dieser Kamera auch einfordern kann. Ich habe hier ein Foto aus der ersten Testreihe, Aufnahme Abends im Dunkeln. Wie man sehr schön sehen kann, wird das nichts, wenn die Kamera das übertreibt. Man achte vor allem auf den Himmel, der schon geradezu scheusslich grau ist, Die Erweiterung stand auf 400% automatisch. Zudem sollte man auch einen Blick ins Restaurant und seine nähere Umgebung werfen und sich über das starke Rauschen wundern. Ich denke, dass auch das mit der Dynamikerweiterung zusammenhängt. Nach der Betrachtung dieser Bilder habe ich sie auf 100% manuell gestellt. Trotzdem gibt es Situationen, in denen so etwas sinnvoll erscheint. Vergleichsfotos mit der neuen Einstellung lege ich nach. Ein schneller Auslot- Schuss aus dem Auto, hier gilt wiederum, dass die Gestaltung keine Rolle spielt. “The Thing” muss erst eingeschossen werden:

Was das wohl ist… In Peine. 1/15 sek., Blende 1,4, ISO 800. Dynamikerweiterung auf 400 %, Kamera auf Werkseinstellung.

…und wie es aussehen sollte

Weitergemacht habe habe ich mit zwei Bildern, die auf einer Einkaufstour in Hannover entstanden sind, wieder mal schnell aus dem Auto und ungestaltet, weil wir ja immer noch bei der Technik sind:

Parkplatz vor Real in Altwarmbüchen. Blende 1,4, 1/140 Sek. manuell bei ISO 1600, Dynamikerweiterung auf 100%(damit aus)

Wie man vor allem beim Vollformat- Bild erkennen kann, sind hier zwei Dinge sinnvoll: Zum einen scheint es so zu sein, dass man mit der Dynamikerweiterung vor allem in dunklen Bereichen nicht weit kommt. Aber wir sind hier ja noch nicht am Ende. Ein weiterer Schuss in dem selben Einkaufszentrum zeigt, dass es wohl sinnvoll ist, die Erweiterung wirklich ausgeschaltet zu lassen und nach alter Väter Sitte Prioritäten zu setzen. Das Rauschen allerdings kann auch der neue Hightech- Sensor nicht völlig unterbinden. Zudem erscheint es mir empfehlenswert, entweder manuell zu belichten oder für diesen Zweck die Spotmessung zu benutzen. Aber wenn ich da an einen 1000er Film aus den frühen 1980ern zurückdenke, ist der Fortschritt erheblich, vor allem mit Blick auf die hier imitierte Körnigkeit und die Farbreinheit. Moderne chemische Emulsionen waren zumindest im Diabereich nicht besser bzw. reichten meisten nur bis ISO 400, es sei denn, man wusste, wie man sie pushen kann(hier schreibt einer der Jungs, die das noch gemacht haben!). Insofern: Gut gemacht Fuji!

Realmarkt in Altwarmbüchen. Blende 1,4, 1/1250(!!!!), Zeitautomatik. ISO 1600, Dynamikerweiterung auf 100%(damit aus)

Als nachteilig stellt sich der scheinbare Drang der Kamera heraus, Objekte, Kanten und anscheinend auch Rauschen nachzuschärfen. Das erkennt man bei genauem Hinsehen in den Stahlträgern des obigen Fotos. Mann achte hier auch auf die Neonleuchte links oben im Bild, die erst im Vollformat wirklich sichtbar wird. Der Kontrast ist höher als das, was Objektiv und vor allem Sensor vertragen können: Man sollte allerdings bei einer dermaßen kontrastreichen Aufnahme nicht vergessen, dass Filmmaterial dabei schlechter ausgesehen und andere Fehler ähnlicher Natur gezeigt hätte. Und andere sind auch nicht besser: Hätte ich die Farbsäume weghaben wollen, hätte ich erheblich weiter abblenden müssen. Dann wäre allerdings vom Rest des Bildes nicht viel nachgeblieben, sprich die Stahlträger wären nur noch Fragmente. Man muss also eine Entweder- Oder- Entscheidung treffen, wenn man solche Bilder macht(Stammtischphrase, aber trefflich!).

Der Sensor

Bei Digitalkameras werden die Farben bei den sogenannten Bayer- Typen (der meist verbreiteten Variante, beinahe alle Sensoren sind Abkömmlinge davon) immer nach Schema F verteilt: Man stelle sich ein Quadrat vor, das in vier Unterquadrate unterteilt ist. Zwei dieser Unterquadrate sind grünempfindlich und die beiden anderen jeweils für rot und blau. Fuji macht das anders: Die Farbmengen an sich sind annähernd die selben, allerdings werden die Pixel nicht systematisch verteilt sondern, eher wie bei Filmen, nach dem Zufallsprinzip in einem sudokumässigen 4x9er- Raster verteilt. Laut Fuji hat das noch einen weiteren Vorteil: Man braucht keinen Anti- Aliasing- Filter vor dem Sensor: Das Ergebnis ist eine um geschätze 30% höhere Lichtempfindlichkeit des Sensors. Ein weiterer Nebeneffekt ist die durch weniger Glas bedingte niedrigere Lichtbrechung: Das Ergebnis sind schärfere Bilder. Leica hat ähnliches im Programm, allerdings ist der dort verbaute Vollformat- Sensor ein klassischer Bayer- Typ. Man erkauft sich dadurch eine höhere Bildschärfe zu Lasten eines Moiree- Effektes. Das kann ich an dieser Stelle leider mangels einer Leica M9 nicht demonstrieren.
Auch hier ist der Fuji- Sensor im Vorteil: Der Moiree- Effekt wird hier zusätzlich vermindert bis vollständig unterdrückt. Letzteres kommt der Wahrheit am nächsten, wie eine Testaufnahme meiner gerade aktuellen Jeans zeigt; live, aus der Hand und manuell per Bildschirm fokussiert, vom Oberschenkel, und hier als 100%iger Crop:

Die Nichtfotografen

Es gibt noch einen weiteren Aspekt zu berichten: Ich dachte, man könne mit so einer eher kleinen Kamera schön friedlich und unauffällig arbeiten. Aber als ich des Abends lozog, um einige Testbildchen im Abendlicht zu jagen, wurde ich selbstverständlich wieder einmal für einen Pro gehalten, der ich schlicht nicht bin. Zumindest nicht auf dem Sektor Fotografie. Das heißt, dass ihr auch mit einer solchen Kamera nicht davor sicher seid, für Pressefotografen gehalten zu werden. Aber zumindest die Wahrscheinlichkeit für Verwechslungen sollte erheblich sinken. In heutigen Zeiten, in denen jeder glaubt, dass nur er selbst Rechte hat und die Fotografen gar keine, kann das ein durchaus wichtiger Aspekt sein, denke ich.

Ich persönlich würde diese Kamera auch zu einer Hochzeit und mit in die Trauungszeremonie nehmen, weil ich denke, dass sie auch dem kritischsten Pfarrer leise genug sein wird. Diesem Gerät traue ich sogar genug Diskretion für eine Kammermusikveranstaltung zu: Das dortige, meistens sehr anspruchsvolle Publikum wird sich sehr wahrscheinlich kaum bis gar nicht gestört fühlen. Einfach ein bis zwei Meter vom Zuhörer weggehen und nur in lauten Passagen fotografieren. Dann geht das damit.
Eine Spiegelreflex, egal wie ultraschallmotorisiert und vermeintlich leise die Objektive auch sind, würde ich bei so einer Veranstaltung schon wegen der immer noch vorhandenen Geräuschentwicklung der Verschlussaufzugsmotoren zu Hause lassen.

Was sonst noch wichtig ist

Dieser Artikel ist nicht als Ersatz für einen objektiven Test gedacht, dem man sowieso praktisch nirgends bekommt. Ich erhebe hier auch keinen Anspruch auf vollständige Informationen hinsichtlich der Technik: Die Gebrauchsanleitung sollte der Benutzer immer selbst lesen: Ich muss das genauso tun wie jeder andere auch.

Zu beachten ist beim Lesen dieses Textes auch, dass Testaufnahmen bei mit zweierlei Zwecken dienen: Das ist einmal das Eingewöhnen in die Kamera und zum anderen das Sammeln von Erfahrungen in technischer Hinsicht: Die ersten wirklich unbekümmert guten Bilder mit meiner Eos 5 hatte ich erst nach etwa 1000 Auslösungen, weil sich dann erst ein Rhythmus eingeschlichen hat, den man als Automatismus bezeichnen konnte. Bis dahin ist man immer wieder mit der Technik befasst. Die Stammtischsprüche haben also durchaus eine gewisse Aussagekraft.

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