Posing

Wie bereits in der Stammtischmeinung beschrieben, ist es von eher geringer Relevanz, ob Nachbar, Freunde oder die lieben Kollegen auf der Arbeit gut finden, was Sie fotografieren, und vor allem, womit Sie arbeiten.

Technisch gesehen hat gibt es nur einen relevanten Punkt, der sich in im Grunde in drei bis vier Kategorien einteilen lässt. Das ist die Qualität der Gesamtkette, und nicht allein der Kamera: Schrott, ausreichend, gut und High-End. Dazu muss man aber wiederum sagen, dass diese Begriffe nicht einmal definierbar sind, sondern von den Vorstellungen der Nutzer ahängen: Der eine kann ohne seine 36-Megapixel-oder-mehr-Kamera nicht schlafen und der andere sagt, ihm ist das zu teuer: Für den einen reicht eine alte Nikon D40 und der andere hält das sogar schon für eine Highend-Lösung. Das macht es für einen normalen Kamerakäufer schwierig, das Passende zu finden.

Dann sollte man wissen, dass die Fotografie für viele Mitmenschen immer noch etwas von besonderer Bedeutung ist: Kameras wurden in früheren Zeiten von Opa an den Enkel vererbt und teilweise über Generationen benutzt. Einfach, weil sie im Vergleich zu heute sehr teuer waren. Aus den frühen 1950ern habe ich Preise von 100-150 DM für eine einfache Balgenkamera im Hinterkopf. Verglichen mit den heutigen Löhnen entspräche das etwa einem Preis von 1000-1500 Euronen. Die Filme kamen noch dazu, 2 DM für 12 Aufnahmen auf Rollfilm konnte man durchaus einkalkulieren. Die Entwicklung ging wie heute extra. Zudem war immer das Problem, dass das Ganze trotzdem einfach sein musste;  Bilder mussten “automatisch” gelingen, weil der Erinnerungswert etwas von großer Bedeutung war und immer noch ist. Wer sich historische Werbung für Kameras ansieht, versteht, wovon die Rede ist. Die Vollautomaten haben wir immer noch…

Wie sollte man vorgehen?

Ein Kameraverkäufer wird einem unbedarften Kunden immer sagen, dass der Sensor gerade dieser Kamera der beste ist, den es gibt. Wie interpretiert man das? Genau wie im Autohandel: Dort haben auch alle Hersteller den besten Motor, den es gibt. Damit ist das schon mal keine Entscheidungsgrundlage, sondern nur eine rhetorische Lobpreisung eines Kameraverkäufers.

Dann kann es gerade im Elektronikmarkt auch der Fall sein, dass die Verkäufer in den Abteilungen keine Mitarbeiter des Marktes sind, sondern welche des Herstellers. Diese werden auf jeden Fall versuchen, dem Kunden “ihre” Marke zu verkaufen. Egal. ob sinnig oder nicht. Und dann haben wir noch die Angestellten des Marktes selbst: Meistens kennen die sich nicht mit den Sachen aus, die sie verkaufen. Diese Leute bekommen öfters auch Anweisungen, nach denen sie weniger involvierten Kunden(also Anfängern) möglichst die Ladenhüter verkaufen sollen, weil das Lager gerade voll davon ist. Natürlich möglichst teuer. Wenn der Kunde z.B. eine Nikon oder Canon will und Sony im Überfluss vorhanden ist, werden diese Leute versuchen, dem Kunden eine Kamera von Sony zu verkaufen. Mit dem besten Argument der Welt: Es ist ja der beste Sensor…  Wobei aber ein Körnchen Wahrheit dahintersteckt: Sony baut in der Tat die meisten Sensoren für Spiegelreflexkameras. Nur gibt es immer noch ein bisschen mehr als Hardware. Kameras sind mittlerweile nicht mehr reine Filmhalter wie zu früheren Zeiten, sondern ausgewachsene Computer mit eingebauter Bildbearbeitungssoftware. Daher spielen die Prozessoren der Kameras und deren Steuerung (Firmware/Betriebssystem/Bildverarbeitung) auch noch eine wesentliche Rolle. Diese Frage beantworten alle Hersteller für sich, was auch zu Unterschieden in der Bildqualität führen kann.

Dann haben wir als weiteren begrenzenden Faktor immer noch das Objektiv. Ein 48-Megapixel-Hypersensor mag in einer kleinen Kamera bombastisch erscheinen, aber nicht, wenn die Objektive nicht genug Auflösung bringen, um wirklich jedes Pixel scharf erscheinen zu lassen. Laut einer Information eines bekannten deutschen Objektivherstellers liegt die Auflösungsgrenze derzeit bei etwa 100 Linienpaaren pro mm. Rechnet man das hoch bedeutet das, dass bei einem Kleinbildsensor bei etwa 35 Megapixeln ein Maximum erreicht sein sollte. Bei APS-C ist das dann 1/2 weniger, also landen wir bei etwa 17MP. Wobei das aber nicht ganz objektiv ist: Es ist eine Herstellermeinung. Andere können daher eventuell mehr.

Selektieren kann man unter Umständen nach Tests. Nur haben die meisten Tests der entscheidenden Nachteil, dass sie von Zeitschriften gemacht werden. Diese Zeitschriften haben nicht nur die Leser als Kunden, sondern auch die Hersteller der Gerätschaften, über die sie schreiben. Keine gute Aussicht das. Man muss das Produkt irgendwie loben, um den Anzeigenkunden zu erhalten, der auch seinen Beitrag zur Kostendeckung leistet.

Dann kommen wir zwischen den Zeilen an. Die Frage ist, wo die qualitative Untergrenze liegt. Normalerweise kann man davon ausgehen: Ist etwas “gut”, kann man es meistens vergessen. Ist es “sehr gut”, ist es ganz brauchbar. Ist es “exzellent” oder irgendeine Empfehlung der Redaktion, ist es auf jeden Fall verwendbar. Ob es wirklich gut ist, zeigt sich in der Realität. Das gilt nicht immer, aber im Wesentlichen hat sich gezeigt, dass genau das dabei herauskommt.

Sieht man sich die Tests der Stiftung Warentest an, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Dort wird davon ausgegangen, dass der Kunde des Produktes, seiner Verwendung und damit der Fotografie allgemein in aller Regel unkundig ist. Sobald die Anforderungen der Kundschaft steigen und damit auch die Anforderungen an das Produkt, hat das Ganze einen Nachteil: Die Bedienung wird deutlich komplizierter, was aus Verbraucherschützers Sicht ein Mangel ist. Am Ende bedeutet das, dass sich der Durchschnitt durchsetzt, echter Schrott als solcher gefunden wird und besseres Gerät, das vom Käufer gewisse Kenntnisse verlangt, eher schlechter bewertet wird.

Bis hierher würde ich keinen einzigen Test als ultimativ richtig ansehen.

Was haben wir nach den vielen gelesenen Tests nicht? Ein Gerät.

Man muss also nach einen Workaround suchen.

Dann haben wir die Foren. Wer sich nicht sicher ist, kann nachfragen. Gute Idee. Aber vor allem zusätzliche Einflüsse. Allerdings kann man daraus auch gewisse Informationen saugen: Lobt der Forent sein Gerät, gibt es mehrere Möglichkeiten dafür: Er redet es sich schön, obwohl er unzufrieden ist; er hat keine Anhnung und noch nichts besseres in der Hand gehabt; oder das Gerät ist tatsächlich gut, was ebenso häufig anzutreffen ist. Allerdings sind das immer persönliche Meinungen, die trotzdem durchaus hilfreich sein können. Vorsicht ist immer dann geboten, wenn bestimmte Forenteilnehmer ein bestimmtes Gerät über den grünen Klee und in den höchsten Tönen loben. Neben dem Gesagten zu Ahnungslosigkeit der Leute gibt es auch noch einen anderen Grund: Der Autor der Zeilen wird dafür bezahlt. Auch das ist nichts Neues. Wenn ich da an Verbraucherportale wie ciao.com denke, ist es auch dort möglich, nicht nur auf echte Kunden zu treffen, sondern eben auch auf Leute, die dafür bezahlt werden. Soll heißen: Der Besuch eines Forums kann zu einem Ergebnis führen, muss es aber nicht.

Immer noch keine Kamera am Laden, verdammt!

Dann kann man der Herde folgen, was am erfolgreichsten sein dürfte. Die Marktanteile der verschiedenen Unternehmen haben durchaus ihre Gründe, die nicht nur in der Merketingabteilung zu finden sind. So findet man vielleicht etwas Passendes.

Wo liegt aber nun die Lösung? Anfassen und eine auf dem Sektor erfahrene Person fragen kann sinnvoll sein. Auch gut ist es, eine Kamera anzumieten und über ein Wochenende ein paar Bilder zu machen. Wenn man den Mietpreis bei Kauf ersetzt bekommt, ist das die beste Lösung. Manche Händler bieten das an. Einfach mal fragen.

Zudem kann man auch da wieder über die “Masse” in Form eines fotografierenden Bekannten nachdenken. Der hat schon irgendwas und kann einem das eine oder andere erklären.

Bücher: Auch darüber sollte man mal nachdenken. In meinem Regal lagern etwa 100 Stück zum Thema, die ich alle mal gelesen habe. Wenn man wirklich etwas über Fotografie lernen will, sind die Klassiker zum Thema Schwarzweiß übrigens immer noch ein heißer Tipp. Besser kann man nicht darüber lernen, auch in digitalen Zeiten nicht. Wichtig dabei ist, dass das Buch nicht kameraspezifisch ist, sondern sich wirklich mit der Fotografie als solches befasst. Interessante Themen sind dabei die Entwicklung von Schwarzweissfilmen und das Vergrößern, was den tiefsten Einblick erlaubt. Eine Dunkelkammer muss man sich aber nicht einrichten. Es geht nur um das Visuelle. Zu empfehlen sind folgende:

  • Ansel Adams: Die Kamera, Das Negativ und Das Positiv
  • Feiningers große Fotolehre; günstig als Taschenbuch zu haben.
  • Etwas zum Zonensystem.
  • Auch nicht zu verachten sind Portfolios von Fotografen, um etwas über Bildgestaltung zu lernen.

Dann hat man etwas Grundwissen und macht das, wozu man die Kamera gekauft hat: Fotografieren und ausloten, was geht.

…folgt den bereits gegebenen Hinweisen zur kritischen Bildauswahl.

…oder hat nach dem Konsum der Bücher immer noch keine Kamera.

Im Endergebnis haben wir aber damit noch kein einziges Bild gemacht. Man kann aber auch noch einen Weg verfolgen, der auch zielführend sein kann. Das ist der Hierarchie in der Qualität, weiter oben bereits angesprochen:

  • Je teurer desto besser: Das gilt bis zu einem gewissen Grad. Allerdings muss man auch das Ende der Fahnenstange kennen und wissen, dass Qualitätszuwächse ab eienm gewissen Bereich nicht mehr proportional im Verhältnis zu den Mehrkosten in der Anschaffung stehen. Das erste Ende der Fahnenstange sollte der Kaufpreis der gesamten Erst-Ausrüstung sein.
  • Je größer desto besser: Das macht auch bis zu einem gewissen Grad Sinn. Aber man will nicht zuviel mit sich herumschleppen. Das Ergebnis ist ein Kompromiss.

Man kann es auch noch einmal anders ausdrücken. Um 500 bis 800 Euro bekommt man ein technisch aktuelles Kit mit einer schon sehr guten Spiegelreflexkamera nebst einem 18-55/3,5-5,6-Zoom. Die Marke ist dabei ziemlich egal. Wenn man dann weiterforscht, kann man auch mal Glück haben und sich ein weniger aktuelles Untere-Mittelklasse-Modell für die Hälfte bis zwei Dritteln davon schießen. Das ist dann nicht brandaktuell, aber man kann damit durchaus sehr gut fotografieren.

Insoweit würde ich auf folgende Eigenschaften gesteigerten Wert legen:

  • Kann die Belichtung der Kamera auf einfachem Weg manuell eingestellt werden?
  • Ist sie nicht zu schwer, um damit durch die Gegend zu wandern?
  • Wie umfangreich ist das System? Wenn lange lichtstarke Brennweiten wichtig werden, kommen manche Anbieter schon nicht mehr in Fragte.
  • Reicht der Autofokus? Ist der AF schnell genug oder eher zu langsam? Das gilt aber nur für die geplanten Aufnahmen. Für Familienfotos reicht in der Regel die langsamere Variante.
  • Reichen die Lowlight-Eigenschaften? An einem mitgebrachten Laptop kann man das schnell mal prüfen, wenn man sich nicht sicher ist.
  • Wie sieht die Qualität des mitgelieferten Objektivs aus? Gerade bei den Kitoptiken gibt es auch Kandidaten, die nicht sehr prickelnd sind.
  • Und vor allem: Ist die Haptik der Kamera angenehm und ist sie manuell einfach zu bedienen?

Wenn das alles beantwortet ist, kann man zuschlagen und macht sehr wahrscheinlich keinen Fehler. Findet man dann doch etwas Störendes(Das findet man bei den meisten Kameras!), kann man entweder damit leben oder beim nächsten Kauf auf ein anderes System umsteigen, wenn man noch nicht zuviel Geld investiert hat. Letztere Lösung sorgt meistens nur für andere Macken im System.

Was dann kommt, ist: Üben, üben, üben. Nicht nur das Fotografieren an sich, sondern auch die Nachbearbeitung der Bilder ist in Zeiten der Digitalfotografie immer wichtiger geworden. Wo der Mehrwert liegt? Nun, meine Bilder von Peiner Eulenmarkt sind bei 6400 ISO aufgenommen und sehen auch vergrößert auf 70*100 noch so aus wie hier im Blog. Wer das wie ich schon mit einem Ilford HP5 oder einem Tri-X von Kodak gemacht und den auf gerade mal 1600 ISO gepusht hat, weiß, dass man mit diesem Material mit dem Printen ab etwa 20x30cm aufhören musste, wenn die Bildqualität noch erträglich sein sollte.

Damit haben wir auch eine Reihenfolge der Beschaffungen:

  • Zuerst muss ein Computer her! Den hast du schon, oder liest du diesen Text auf einem anderen Weg?
  • Literatur über allgemeine Fotografie.
  • Literatur über allgemeine Bildbarbeitung im Computer.
  • Kamera mit Optik ist der mit der Buchbeschaffung wichtige Schritt zwo.
  • Schritt drei ist die Software zur Bildbearbeitung! Empfehlenswert sind im Allgemeinen gängige Produkte von Adobe, wie z.B. Lightroom wegen der einfachen Stapelverarbeitung in Massenproduktion. Eventuell kann man noch Photo Ninja hernehmen(ich kenne es nicht!) und einige andere wie DXO(das mir aber nicht liegt, zu “automatisch”) gibt es auch noch.

Wenn man das alles beisammen hat, kann man immer noch das bereits Erwähnte tun und sich meine Ansichten zum Thema Bildauswahl noch einmal zu Gemüte führen. Das interessante dabei ist, dass es bei wirklich bekannten Fotografen genau so funktioniert. Nur wer wirklich in der Lage ist, sofort zu treffen(ich gehöre meistens nicht dazu), erreicht eine niedrigere Schrottquote als 90%, wenn es wirklich gut werden soll. Wie gesagt, wir reden hier von Bildgestaltung, nicht von Erinnerungsbildern. Da sieht das meistens anders aus. Obwohl, ich habe auch auf Familienfeiern schon ziemlich ausstellungswürdige Bilder gemacht, wie ich glaube. Zumindest wären sie das, wenn die fotografierten Subjekte etwas prominenter wären. Übrigens “mit ohne” Autofokus und ohne Belichtungsautomatiken, ganz klassisch auf Negativfilm, mit einem uralten Metz-Blitzgerät von 1989 und der Leica M4-P von 1982, die im Bericht über die X-Pro1 zu sehen ist.

Vielleicht wird man dann zu einem halbwegs passablen Fotografen. Das beurteilen andere und nicht du, lieber Leser. Ich bin nämlich auch nicht überzeugt davon, dass mein Zeug wirklich gut ist!

 

2 thoughts on “Posing

    • Es heißt auch Florentiner, wenn man zum Bäcker geht und nicht Florist.

      Wer meckern will, sollte selbst erstmal etwas leisten. Einfach nur meine Meinung.

      Ergo bleiben die Forenten bei mir eben Forenten…

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